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Der katholische Hof in Mainz

Michael Müller, Mainz

Kurmainz im politischen Gefüge des alten Reiches

Das Kurfürstentum Mainz war seit der "Goldenen Bulle" von 1356 nicht nur eines der drei geistlichen unter den insgesamt zuerst sieben Kurfürstentümern des Heiligen Römischen Reiches, sondern hatte unstreitig eine geradezu einzigartige Ausnahmestellung sowohl unter den Kurfürsten des Reiches wie auch unter den "geistlichen Staaten" der Reichskirche inne, also der "Germania Sacra" mit ihren vier Erzbistümern, 18 Fürstbistümern und ca. 300 Abteien, Stiften und Klöstern. Der Mainzer Kurfürst und Erzbischof galt wegen seiner einzigartigen Machtfülle und seiner bestimmenden Funktion bei Wahl-, Krönungs- und Reichstagen zu Recht als der "zweite Mann im Reich" (Peter Claus Hartmann), direkt nach dem römisch-deutschen Kaiser: Er vereinigte in seiner Person gleich eine ganze Fülle von Führungsfunktionen innerhalb der Reichsverfassung und der Reichskirche: Er war nicht nur als Kurfürst der Landesherr des Mainzer Erzstiftes (Kurfürstentums), sondern als Erzbischof der kirchliche Oberhirte einer der ältesten und bedeutendsten Erzdiözesen der Christenheit nördlich der Alpen.

Mehr noch: als "Reichserzkanzler für Germanien" hatte er das Reichstagsdirektorium inne und mithin die Leitung der Reichskanzlei und des Reichstagsarchivs sowie das Amt des Visitators des Reichshofrats und des Reichskammergerichts. Als Vorsitzender des Kurfürstenkollegs berief er bei einer anstehenden Kaiserwahl die anderen Kurfürsten nach Frankfurt ein, hatte dort den Vorsitz bei der Wahl und bei den Beratungen über die Kapitulationen inne und nahm auch die Weihe und Salbung des neuen Kaisers vor. Zudem war er Kreisausschreibender Fürst und Direktor des Kurrheinischen Reichskreises, somit Leiter der Kreiskanzlei und des Kreisarchivs und, zudem in seiner Eigenschaft als Reichserzkanzler Direktor der Reichskreistage, d.h. der Versammlungen aller zehn Reichskreise, die er einberief und leitete. Da die Mainzer Kurfürsten zudem seit 1663 wiederholt auch in Personalunion Fürstbischöfe von Worms waren, hatten sie auch das damit verbundene Direktoren- und Kreisausschreibeamt im Oberrheinischen Reichskreis inne, sodass sich in ihrer Hand die wichtigsten Führungsfunktionen in den beiden rheinischen Nachbarkreisen bündelten. Darüber hinaus war der Mainzer Erzbischof als Primas der deutschen Reichskirche und Metropolit der größten abendländischen Kirchenprovinz mit elf (1803) Suffraganbistümern der bedeutendste Kirchenfürst im Reich: zur Mainzer Kirchenprovinz gehörten (zeitweilig oder dauerhaft) als Suffragane die Diözesen Worms, Speyer, Konstanz, Straßburg, Augsburg, Chur, Würzburg, Eichstätt, Paderborn und Hildesheim.